Rückblick Kampagne 2011

Rund um den 1. Mai 2011 haben wir gemeinsam mit anderen Akteur_innen und Unterstützer_innen eine Kampagne unter dem Titel “The Future is Unwritten – für eine Perspektive jenseits von Arbeitswahn und Staatsfetisch” auf die Beine gestellt. Die Kampagne bestand aus einem Aufruf, einer umfangreichen Veranstaltungsreihe, Infoveranstaltungen, diversem Material, dieser Website sowie einer Demonstration am 30. April 2011.

Die Kampagne seht ihr hier dokumentiert.

Kurzüberblick:
Aufruf | Mitschnitte von Veranstaltungen | altes Mobimaterial | Bilder von der Demo

 

Der Aufruf

Unseren Aufruf “The Future is Unwritten!” findet ihr hier.
Kritik an unserem Aufruf kam vom Freundeskreis Dr. Georg Sacke: hier (als PDF).

 

Die Veranstaltungsreihe

In der Veranstaltungsreihe haben wir ingesamt 11 Veranstaltungen angeboten, die wir selbst und zum Teil unter Mitwirkung anderer Gruppen organisiert haben. Darüber hinaus haben wir Infoveransatltungen in anderen Städten durchgeführt. Diese sind hier jedoch nicht einzeln aufgezählt.

5. April / 7. April | Auftaktveranstaltungen mit dem 1.Mai Bündnis

Auf der Auftaktveranstaltung haben wir die Kampagne zum 1. Mai vorgestellt und den Aufruf diskutiert. Die Auftaktveranstaltung fand einmal im Conne Island und einmal im Plaque statt. Einen Mitschnitt der Veranstaltung im Conne Island findet ihr hier.

14. und 15. April | Kritik der politischen Ökonomie nach Karl Marx (Seminar)

In unserem Einführungsseminar haben wir uns mit der Kritik der politischen Ökonomie nach Karl Marx beschäftigt. Referentinnen waren Valeria Brushi und Antonella Muzzupapa.

19. April | Arbeit, Arbeit, Arbeit! Vortrag und Diskussion zur Kritik des Arbeitswahns

»Ein Leichnam beherrscht die Gesellschaft – der Leichnam der Arbeit. Alle Mächte rund um den Globus haben sich zur Verteidigung dieser Herrschaft verbündet: Der Papst und die Weltbank, Tony Blair und Jörg Haider, Gewerkschaften und Unternehmer, deutsche Ökologen und französische Sozialisten. Sie alle kennen nur eine Parole: Arbeit, Arbeit, Arbeit!«

Dies sind die ersten Sätze des 1999 erschienenen „Manifests gegen die Arbeit“. Seitdem haben sich zwar einige weitere Gruppen und Menschen dem Thema angenommen – insgesamt stellt der Einsatz für die Arbeit, für mehr Arbeit und für bessere Arbeit jedoch immer noch die Lieblingsbeschäftigung nicht nur der Linken dar. Dies war Grund genug sich im Zuge der Kampagne kritisch mit Arbeit und ihrer Fetischisierung auseinanderzusetzen.

Als Referent war Robert Kurz eingeladen. Einen Mitschnitt der Veranstaltung findet ihr hier. Veranstaltet wurde das Ganze von der Linksjugend Leipzig. Infos: http://www.linksjugend-leipzig.de/

27. April | Podiumsdiskussion: “Arbeit – Am Ende?!”

Erwerbsarbeit bzw. die Bereitschaft dazu waren und sind mit oder ohne Agenda 2010 die Grundlage der menschlichen Existenzberechtigung. Die Frage nach individuellen und gesamtgesellschaftlichen Visionen von Leben und Produzieren scheint angesichts des Dogmas von „Fordern und Fördern“ und mehr oder weniger direktem Zwang zur Aufopferung und Selbstausbeutung im Job vollends ins Hintertreffen zu geraten. Niemand kann mehr ernsthaft die Augen vor der Erosion der Erwerbsarbeitsgesellschaft verschließen. Nichts desto trotz wird Erwerbsarbeit als Existenzgrundlage als alternativlos hingestellt. Mehr noch: PolitikerInnen hören nicht auf von Vollbeschäftigung zu reden und Erwerbslose als Faulenzer zu brandmarken. Diese Themen wurden auf dem Podium und anschließen mit dem Publikum diskutiert.

Auf dem Podium vertreten waren:
Attila Peeck-Preimusz, DGB Leipzig
Ronald Blaschke, Netzwerk Grundeinkommen
Philipp Stein, FelS, ex-mayday Berlin
Vertreter_in 1.Mai Bündnis Leipzig

Der Mitschnitt von der Veranstaltung ist uns leider abhanden gekommen.

04. Mai | Vortrag und Diskussion zu “Der kommende Aufstand” 

Die Schrift „Der kommende Aufstand“ löste in Deutschland und Frankreich unterschiedliche Reaktionen aus. Während in Deutschland vor allem die Feuilletons der Zeitungen Inhalt und Botschaft der Schrift diskutierten, kam es in Frankreich auch zu repressiven Schritten gegen das anonyme Autor_innenkollektiv.

Referent_innen waren ein Vetreter von TOP B3RLIN, ein Vetreter des 1.Mai Bündnis Leipzig sowie der Publizist Frank Engster. Einen Mitschnitt der Veranstaltung findet ihr hier.

14. Mai | Tagesseminar: Probleme einer Kritik des neoliberalen Kapitalismus

Der Neoliberalismus hat sich von der Aufklärung, der Vernunft und der Utopie verabschiedet. Er verspricht nichts mehr, er tritt als Dogma auf. Dagegen scheint nur noch eine dogmatische Kritik und eine “konformistische Revolte” möglich. Eine Kritik ist nur noch möglich, indem die Genese dieses neoliberalen Kapitalismus durch eine ‘Dialektik der Aufklärung’ aufgeklärt wird. Das Tagesseminar zum Thema wurde geleitet von Prof. Dr. Gerhard Stapelfeldt aus Hamburg.

17.  Mai | Vortrag und Diskussion: Queer Feminismus trifft Kapitalismuskritik. Altes und Neues zum Thema Ökonomiekritik und Geschlecht

Feminist_innenin haben in den letzten Jahrzehnten ein breites Spektrum an Ansätzen entwickelt, die die Verflechtung von kapitalistischer Vergesellschaftung und Geschlechterordnung zu erfassen suchen. Neben der abstrakt-theoretischen wird die empirisch-konkrete Analyse der Gegenwart bemüht sowie durch die queerfeministische Perspektive neue Aspekte hinzugefügt. Aktuelle Versuche, das Thema neu zu vermessen, wurden auf der Veranstaltung von Vertreterinnen des AFBL (Antifaschistischer Frauenblock Leipzig) vorgestellt und diskutiert. Den Mitschnitt als MP3 gibt’s hier.

25.  Mai | Vortrag und Diskussion: Die Idee des Kommunismus

Nicht erst die Diskussion um die „Wege zum Kommunismus“, die die Vorsitzende der Partei die Linke Gesine Lötzsch vorschlug, zeigen, dass „Kommunismus“ in erster Linie mit Gulags, Stasi und Massenhinrichtungen verbunden wird. Unterschlagen wird dabei nur allzu gerne, dass Sowjetunion und Satellitenstaaten sich selbst als sozialistisch, das heißt nur als Übergangsphase zum Kommunismus verstanden. Bequem ist jedoch auch die daran anknüpfende und in linken Kreisen beliebte Behauptung, das sei eben nicht der Kommunismus gewesen. Hält man sich an die Definition von Marx und Engels, dass er „die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt“ sei, so ist dem Rechnung zu tragen, dass der Realsozialismus sich eben als diese Bewegung verstand. Auch wenn er die einzige militärisch erfolgreiche war, war er jedoch mitnichten eine wirkliche Aufhebung des Kapitalismus, sondern trieb vielmehr die Vergesellschaftung über Arbeit und Staat auf die Spitze. In der sozialdemokratischen Auslegung wurde dagegen die Bewegung verabsolutiert, hinter der das Ziel der Überwindung des Kapitalismus zurücktreten musste.

Dieser Hintergrund begründet die Notwendigkeit einer Bestimmung des Kommunismus, die diesen weder aus seiner vermeintlichen Umsetzung ableitet, noch als Bild der befreiten Gesellschaft in die ferne Zukunft verlegt. In der Veranstaltung wurde der Versuch bestritten, Kommunismus als negative Utopie zu betimmen, die in der Kritik der Verhältnisse gründet. Referent war Roger Behrens. Mitschnitt gibt’s hier.

1. Juni  | Podiumsdiskussion: Deutschland, nichts als ein kapitalistischer Staat? Zur Bedeutung der Nationalismuskritik heute

Anfang der 90er wurde von großen Teilen der radikalen Linken vor einem gesellschaftlichen Roll-Back hinter bürgerliche Standards bzw. der Gefahr eines 4. Reichs gewarnt. Demnach gäbe es in Deutschland bestehende Kontinuitäten des Nationalsozialismus, allen voran die Ideologie von Volksgemeinschaft und Antisemitismus, welche zunächst bekämpft werden müsse. Heute scheint der deutsche Nationalismus durch den Prozess einer Modernisierung gegangen zu sein. Für einige war die Modernisierung Grund sich von einer generellen Kritik der Nation zu verabschieden und nunmehr ihr Augenmerk auf den globalen Antisemitismus, “den Islam” und/oder die globalisierungskritische Linke zu richten. Aber ist die Konsequenz daraus, dass das moderne Deutschland nicht mehr unmittelbar in die Barbarei des NS umzuschlagen droht, sich auch von jeder Kritik an Staat und Kapital sowie der Bewegung zu verabschieden? Hat sich zwischen Rostock Lichtenhagen und der Fußball WM 2006 der Männer eine “Normalisierung” vollzogen? Für Teile der radikalen Linken war diese offensichtlich und somit Anlass, den deutschen Nationalismus nur noch als Ausdruck der unmittelbaren Interessen der Staatsbürger_innen als Angehörige der Volkswirtschaft zu deuten. Ihre Kritik am Nationalismus gründet in der Kritik der kapitalistischen Verhältnisse, die notwendig nationalstaatlich organisiert seien. Nach dieser Sichtweise hat sich eine spezifische Kritik an Deutschland erübrigt. In diesem Rahmen zeigt sich auch eine Affinität zu Großdemonstrationen mit anderen – zum Teil auch latent antisemitischen – Gruppierungen. Birgt dieser Bewegungscharakter die Gefahr einer negativen Aufhebung in sich, oder ist er Voraussetzung für die Wirkmächtigkeit emanzipatorischer Politik?

Die Veranstaltung wurde organisiert von der Gruppe projekt.emanzipation. Teilnehmende auf dem Podium waren TOP B3rlin, Antifa Freiberg, projekt.emanzipation und Hannes G.

9. Juni | Vortrag und Diskussion: Gentrifizierung – Städtische Aufwertung und soziale Verdrängung

Viele Stadtteile von Leipzig sind seit mehreren Jahren Orte großer Veränderung. Häuser, Straßen und Plätze werden aufwendig saniert, schicke und angesagte Kneipen, Clubs und Restaurants öffnen und ziehen zahlungskräftiges Publikum an. Mit der Aufwertung von Stadtteilen geht die Verdrängung von Menschen und Projekten einher, welche dem Wesen des aufgewerteten Stadtteils nicht mehr entsprechen. Überall in den Metropolen dieser Welt sind solche Prozesse zu beobachten. Im Rahmen der Veranstaltung haben wir uns mit dem Phänomen und den Auswirkungen der Gentrifizierung beschäftigt.

Eingeladen war die Berliner Initiative „Mediaspree versenken“, die vielfältige Proteste gegen die Inwertsetzung des Spreeufers mit Prestigeprojekten organisiert. Romy Zischner (Leipzig) vermittelte die Grundmechanismen der Gentrifizierung.

 

Die Demonstration am 30.04.2011

An der Demonstration am Vorabend des 1.Mai 2011 “The Future is Unwritten – Für eine Perspektive jenseits von Arbeitswahn und Staatsfetisch” nahmen 500 Menschen teil. Einen ersten Bericht zur Demonstration gibt es hier. Einige Redebeiträge haben wir nachfolgend für euch veröffentlicht. Nach und nach folgen an dieser Stelle Fotos und ein ausführlicher Bericht von der Veranstaltung. Im Bereich “Presse” findet ihr zudem unsere Pressemitteilungen und Artikel in den lokalen Medien.

Redebeiträge von der Demo als *.pdf

Bilder von der Demo

Bilder unserer Demonstration findet ihr hier.

Jiingle zur Demo (und Kampagne)

Gibts hier.

 

Material

Plakat, Flyer und Banner gibt’s hier.