Veranstaltungsreihe: Nationalismus ist keine Alternative

Veranstaltungsreihe der Gruppe the future is unwritten

Veranstaltungen im kommenden Jahr:

Teil I: Theorie  ** Alle Veranstaltungen im Pöge Haus sind barrierefrei**

02.10.2018 – 19 Uhr, Pöge Haus
Parlamentarismuskritik in Zeiten des Rechtsrucks
Referent*in: the future is unwritten

Zum Auftakt unserer Veranstaltungsreihe „Nationalismus ist keine Alternative“ wollen wir euch unsere Thesen zu den Zusammenhängen zwischen Rechtsruck, Staat und Kapitalismus vorstellen.
Als kommunistische Gruppe sehen wir zwar die Notwendigkeit, gegen den Rechtsruck der letzten Jahre und die drohende Regierungsbeteiligung der AfD in Sachsen in Aktion zu treten, dennoch müssen unsere Aktionen auf etwas jenseits von „Feuerwehrpoltik“, also der Bekämpfung akuter rechter Bedrohungen, verweisen.
Autoritäre und regressive Ideologien sind kein Phänomen des rechten Randes der Gesellschaft, sondern finden längst immer mehr Akzeptanz in Teilen der sogenannten „Mitte der Gesellschaft“. Dies ist weder Zufall noch unbegründet. Anders als es der Ausdruck der „Mitte der Gesellschaft“ suggeriert, sind diese Ideologien der bürgerlichen Gesellschaft nichts Äußerliches, sondern Produkt einer Gesellschaft, die grundlegend von kapitalistischem Warentausch, Patriarchat und Nationalstaatlichkeit konstituiert ist.
Deshalb muss auch eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Erstarken rechter Bewegungen hier ansetzen und diese Zusammenhänge analysieren.
Wir möchten hierfür grundlegend darstellen, wie wir uns aus materialistischer Perspektive an diese Analyse wagen und welche Schlüsse für die Praxis sich für uns daraus ergeben.
Denn für uns ist auch klar, dass der Kampf gegen den Rechtsruck darauf abzielen muss, Menschen jenseits der radikalen Linken zu mobilisieren, wenn er erfolgreich sein will. Insbesondere die Frage nach der Rolle des Poltischen im Kapitalismus bzw. die Frage danach, wie als Kommunist*innen im Angesicht einer erstarkenden Rechten zu handeln ist, ist von zentraler Bedeutung für uns. Sollen wir uns auch Mitteln bürgerlicher Politik bedienen oder ist das ausnahmslos abzulehnen?
Wir werden dazu keine abschließenden Antworten bieten können, sondern wollen unseren Standpunkt in die Diskussion einbringen und Widersprüche darlegen, um somit im offenen Diskurs eine theoretische sowie praktische Kritik regressiver Ideologien und ihrer Ursachen voranzutreiben.


26.10.2018 – 18 Uhr, Pöge Haus
Geschlecht und Antifeminismus als Kitt rechtsextremer und rechtspopulistischer Mobilisierungen (Workshop)
Referentin: Rachel Spicker

„Neben rassistischen, islamfeindlichen, antisemitischen und völkischen Positionen rücken Familien- und Geschlechterpolitiken vermehrt ins Zentrum rechtsextremer,rechtspopulistischer und neurechter Mobilisierungen. Die Bekämpfung von Gleichstellungspolitiken, Feminismus und vielfältigen Lebensentwürfen, die Angriffe auf Frauen- und Geschlechterforschung und die Gleichberechtigung von LSBT*I* gehören nicht nur zu strategischen Handlungsfeldern dieser Akteure. Sie bilden eine zentrale Klammer zwischen Akteuren aus dem Rechtsextremismus, Rechtspopulismus und der Neuen Rechten und finden Anschlussfähigkeiten in die Gesamtgesellschaft. Frauen erscheinen dabei präsenter und sichtbarer als je zuvor. Gemeinsam wollen wir uns mit den Geschlechterbildern, familien- und geschlechterpolitischen Positionen und den Rollen und Strategien von Frauen in aktuellen Erscheinungsformen auseinandersetzen. Zusätzlich gehen wir der Frage nach, wie eine feministische Positionierung und eine geschlechterreflektierte Perspektive in der Forschung und Präventionsarbeit aussehen kann.“


05.11.2018 – 19 Uhr, Pöge Haus
Ein Blick hinter die Kulissen der 120db Kampagne der Identitären Bewegung 
Referentin: E*Vibes Dresden

Die rechtspopulistische “120 Dezibel”-Kampagne flammte Anfang des Jahres im Internet auf. In einer konzertierten Aktion wurde sie von führenden Kadern der „Identitären Bewegung“ gepusht. Ihr Fokus auf “Frauenthemen” hebt sie von vielen bisherigen neurechten Kampagnen ab.
Wie bei vielen neurechten Ideen wird von linken Graswurzelbewegungen abgekupfert. Mit direktem – allerdings klar ablehnendem – Bezug zur #Aufschrei-Debatte sollen Frauen mit aufwändig produzierten Videos und Webpräsenzen angelockt werden. Doch ein Blick hinter die Kulissen zeigt klar: es geht hier nicht um Frauenrechte, diese dienen nur als populistischer Deckmantel für rechte Ideologie samt Rassismus, Nationalismus und Antifeminismus.


13.11.2018 – 19 Uhr, Ostpassage
Autoritärer Charakter und Rechtsruck
Referent: Sebastian Winter

Der Zulauf den derzeit extrem rechte Bewegungen und Organisationen finden und die dementsprechenden erschreckend schnellen Veränderungen der gesellschaftlichen Atmosphären und Selbstverständlichkeiten ist rein politikwissenschaftlich nicht zu erklären. Woher stammt der “erlösende” Hass, der offenbar angesprochen wird durch die Verheißung eines nationalen Innenraumes, in dem Autokraten “heile” Werte und Ordnungen garantieren, während draußen, durch Grenzzäune abgesichert, das Böse lauert?
Die psychoanalytische Sozialpsychologie hat sich mit dieser Frage bereits seit dem nationalen Taumel des Ersten Weltkriegs und dem anschließenden Erstarken der extremen Rechten bis hin zur Machtübernahme der Nazis beschäftigt. Sie forscht den affektiven Motiven nach, die Bürger_innen demokratischer Staaten dazu bringen, ihr Heil in der Unterwerfung unter autoritäre Regierungen und die Selbstaufgabe im Volk zu suchen – und dies als rebellische Selbstermächtigung gegen “die da oben” erleben.
In der Veranstaltung werden diese sozialpsychologischen Überlegungen auf die aktuelle Situation in Deutschland bezogen vorgestellt. Es wird reichlich Raum für Diskussionen geben


04.12.2018 – 19 Uhr, Ostpassage
Kritik des Ostdeutschen Bewusstseins
Referentin: Heike Kleffner

Dass der Rechtsruck in Ostdeutschland konkrete Folgen hat, zeigte sich zuletzt in Köthen und Chemnitz bei den sogenannten „Trauermärschen“. Bei diesen wurden offen nationalsozialistische Reden gehalten und es kam zu Angriffen auf Personen, die nicht in das Bild des Mobs passten.

Doch bereits seit Jahren ist eine Kontinuität der rechten Ideologien in Ostdeutschland erkennbar. Zwar sind diese auch im Westen kein gesellschaftliches Randphänomen, jedoch kommt es hier im Osten erschreckend häufig zu öffentlichen Schulterschlüssen von Rechtsradikalen bis Bürgerlich-Konservativen. Menschenverachtende Hetzreden und gewaltsame Ausschreitungen auf Demos sind alles andere als eine Seltenheit und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und rassistische Übergriffe häufen sich in ganz Ostdeutschland, vor allem in Sachsen.Hinzu kommt die mangelnde Aufarbeitung rechter Gewalt und politischer Organisierung – von Polizei, Justiz und Verfassungsschutz offenbar nicht gewollt.

Die Veranstaltung soll untersuchen, warum in Ostdeutschland rechte Ideologien so offen zur Schau gestellt und weitergetragen werden können – ob Rassismus und Nationalismus hier nur zufällig verbreiteter sind als im Westen, oder ob diese Verbreitung strukturell andere Ursachen hat. Ist der Osten nur der Anfang und ziehen die westdeutschen Verhältnisse bald nach? Haben wir es hier wirklich mit einem Rechtsruck zu tun und inwiefern lassen sich historische Kontinuitäten erkennen? Welche Rolle spielen dabei die „bürgerliche Mitte“ Ostdeutschlands, 25 Jahre sächsische CDU-Regierung oder Neonazistrukturen aus den 1990ern?

Kurzum: gibt es so etwas wie ein ostdeutsches Bewusstsein und wenn ja, was können wir dagegen tun?

Ein*e Referent*in der Gruppe the future is unwritten wird diese und ähnliche Fragen zusammen mit Heike Kleffner diskutieren. Kleffner beschäftigt sich seit den 1990ern als Journalistin mit der rechten Szene, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linksfraktion zum Thema NSU und ist Herausgeberin zweier Sammelbände über rechte Strukturen in Ostdeutschland. Die Veranstaltung wird durch die Rosa Luxemburg Stiftung gefördert. Diese Steuermittel werden auf Grundlage von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes zur Verfügung gestellt.

 


TBA
Einführung in die Kapitalismuskritik

 


TBA
Neue Rechte und Antisemitismus

 


TBA
Kapitalismuskritik und Rechtsruck

 

Teil II: Organisation und Repression



Teil III: Utopie



Teil IV: realpolitische Geschehnisse und strategische Debatten



Ankündigungstext der Veranstaltungsreihe

Im September 2019 findet in Sachsen die Landtagswahl statt. Ein hohes Wahlergebnis der AfD ist sehr wahrscheinlich, eine Regierungsbeteiligung möglich. Dass es für linke Gruppen in Sachsen notwendig ist, frühzeitig Gegenstrategien zu entwickeln, liegt auf der Hand. Als kommunistische Gruppe wollen wir dabei über den reinen Abwehrkampf gegen Rechts hinausgehen. Bei rechtspopulistischen Mobilisierungen und im öffentlichen Diskurs darüber zeigt sich häufig, dass die Grenzen zwischen rechter Ideologie und der sogenannten “bürgerlichen Mitte” fließend sind. Oft findet sich eine hohe Anschlussfähigkeit an regressive und autoritäre Einstellungen. Die Gründe hierfür wollen wir mit euch aus einer materialistischen Perspektive untersuchen.
Hierzu organisieren wir die Veranstaltungs-Reihe Nationalismus ist keine Alternative. Diese soll sich folglich nicht nur an der AfD abarbeiten, sondern den gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck in den Blick nehmen. Dafür haben wir vier thematische Schwerpunkte gesetzt.
Zunächst wollen wir in einem Theoretischen Teil den Zusammenhang von Patriarchat, Kapitalismus, Antisemitismus und dem seit Jahren stattfindenden Rechtsruck herausarbeiten.
Der darauf folgende Teil beschäftigt sich mit der Notwendigkeit und Möglichkeit von Organisation und Repression.
Mit dem Wissen, dass es Schlimmeres als die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft gibt, geht für uns die Einsicht einher, dass es auch etwas Besseres geben muss. Diesen Anspruch wollen wir auch in Zeiten einer erstarkenden Bedrohung von Rechts nicht aufgeben und im dritten Schwerpunkt zu Utopie genauer erörtern.
Abschließend wollen wir im vierten Teil realpolitische Geschehnisse und strategische Debatten untersuchen. Hierzu werden wir einen Blick auf die Verhältnisse in Östereich und die Geschichte der CDU-Regierung in Sachsen werfen, aber auch auf regressive Tendenzen innerhalb linker Theorie hinweisen und über mögliche Gegenstrategien zum Rechtsruck diskutieren.
Die Veranstaltungsreihe beginnt im Oktober 2018 und findet kontinuierlich bis nach der Landtagswahl 2019 statt, um aufzuzeigen, dass ohne die Abschaffung von Staat, Nation, Patriarchat und Kapitalismus eine Überwindung rechter Ideologien nicht möglich ist.