Ändert die Umstände, die das erzwingen!

Zum Mord an Sophia

Bild entnommen von http://niunamenos.org.ar

Die persönliche Trauer und Verzweiflung der Familie und Freund*innen Sophias mag in ihrem Ausmaß für uns schwer nachempfindbar sein, und doch möchten wir an dieser Stelle zunächst unser tiefes Beileid und ehrliches Mitgefühl ausdrücken. Der Tod eines Menschen ist nicht wiedergutzumachen; er löst Entsetzen und Unverständnis aus. Trotzdem und gerade deshalb erscheint es uns wichtig, diese Tat in ihren gesellschaftlichen Kontext zu setzen, sie in ein System einzuordnen und nicht als schicksalhaften Zufall stehen zu lassen.
Dazu wollen wir einige Überlegungen zu den aufgekommenen öffentlichen Reaktionen formulieren und diese Reaktionen gesellschaftlich verorten. Anschließend ist es uns ein Anliegen, persönliche Gedanken zu unserem eigenen (Nicht-)Umgang mit diesem Fall im Spezifischen und derlei Verbrechen im Allgemeinen, unserem Unvermögen, auf dies zu reagieren, zu teilen.

Es ist in jedem Fall wichtig, die rassistische Vereinnahmung des Mordes an Sophia zu thematisieren. Trotzdem erscheint uns ein anderer Aspekt dann unterzugehen, wenn sich die öffentliche Debatte ausschließlich um die Herkunft der Täter dreht: das Thema Sexismus. Denn betrachtet man Statistiken zu Morden und anderen Gewalttaten, so erscheint die Debatte um deutsche und nicht-deutsche Täter gerade zu bizarr. So lässt sich zum Beispiel im medialen Diskurs um die Silvesternacht in Köln eine relative Überbetonung der vermeintlich nicht-deutschen Herkunft der Täter beobachten. Auch der Fall Sophia wurde unter diesem Aspekt beispielsweise in den Protesten in Chemnitz instrumentalisiert. Unter der Aufrechnung der vermeintlichen Herkunft der Täter gegeneinander gerät das Verhältnis von Männern und Frauen* als Täter*innen und Opfer aus dem Blick, obwohl dieses eine erschreckend eindeutige Struktur aufweist: das Geschlecht kann als konstantester Faktor in der Auswirkung von Gewaltkriminalität ausgemacht werden. Im Folgenden wollen wir also nachzeichnen, wie sich dies in dem konkreten Fall Sophias darstellte und festhalten: es gibt einen gesellschaftlichen Kontext dieses Verbrechens.

Sexismus und rape culture

In die breite mediale Aufmerksamkeit, die das Verschwinden Sophias hervorrief, mischten sich neben Anteilnahme und Erschütterung schnell und geradezu affekthaft noch weitere Haltungen: Unverständnis gegenüber Sophias Verhalten als Frau bis hin zu Schuldzuweisungen: “Wie kann man als Frau heute noch allein trampen […].”

Diese Form des victim blaming funktioniert als Täter-Opfer-Umkehr, indem sie die Unschuld der Betroffenen an dem Verbrechen anzweifelt, ihr eine Mitschuld zuweist und damit die Tat des Mannes – zumindest in Teilen- entschuldigt. Ausgedrückt hat sich dies in diesem Fall z.B. in Form von Online-Kommentaren, die zynisch nochmal darauf hinweisen mussten, dass man als Frau ja vielleicht auch nicht alleine trampen hätte müssen. (Hier zitieren?) Dass eine solche Tat voraussehbar gewesen sei…
Was vielleicht naiv als wohlgesonnener Hinweis gemeint ist, verschiebt tatsächlich jedoch den Fokus der Schuldfrage vom Täter hin zum Opfer. Es gibt keine, wirklich keine Rechtfertigung, keine Kleidung, kein Verhalten, keinen Ort, keine Uhrzeit, die die Tat eines Mörders relativieren könnten.
Deutlich wird, dass hier Verstehen und Verständnis auseinanderfallen. Es ist emotional nachvollziehbar, dass besorgte Eltern ihren Töchtern den Rat geben, doch lieber nicht bei Fremden mitzufahren. Und doch ist dieser Ratschlag ambivalent und nicht unproblematisch. Denn er wälzt die Verantwortung für die Verhinderung von sexualisierter Gewalt und Morden auf die potenziell Betroffenen ab, anstatt die Täter und ihre Schuld zu thematisieren und problematisieren.

Diese mediale Verhandlung des Verbrechens entlang stereotyper Rollenerwartungen (gemeint ist hier eine Haltung, nach der Sophia als Frau ihr Verhalten hätte anders gestalten sollen, z.B. nicht bei Fremden einsteigen) verweist darauf, dass die geschlechtliche Sozialisation ein Kern von Femiziden ist und, dass diese geschlechtlichen Stereotype ihre Entsprechung in der Realität finden. Frauen sind tatsächlich stärker bedroht von bestimmten Formen von Gewalt und Femizide sind der traurige Ausdruck einer patriarchalen Strukturierung der Gesellschaft.

Gleichzeitig stehen Frauenmorde in einem krassen Widerspruch zum vermeintlich zivilisierten, “gewaltfreien” (fußnote1: Zum Begriff der Gewalt: Die Gewaltförmigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse wird legitimiert oder schlicht aberkannt/ignoriert.)
Selbstverständnis westlicher Demokratien, was zu ihrer Tabuisierung beiträgt. Somit werden Femizide in der Öffentlichkeit lieber als “Beziehungstaten aus verzweifelter Liebe” verhandelt, als dass es eine Auseinandersetzung mit den strukturellen Hintergründen der vernichtenden Realität gäbe: Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen werden zu 87,9% von Männern begangen und Vergewaltigung und sexuelle Nötigung sogar zu 98,7%.

Das Private bleibt politisch

Bei der Beschäftigung mit dem Fall Sophia stoßen wir auf ein seltsames Unvermögen. Als Frauen – und damit potentiell immer von (sexualisierter) Gewalt Betroffene – erbringen wir tagtäglich eine Verdrängungsleistung. Sich der Gefahr ständig bewusst zu sein, der man als Frau auch in dieser Gesellschaft ausgesetzt ist, lähmt und verunmöglicht es, sich unbeschwert oder überhaupt sowohl im sogenannten Privaten als auch im öffentlichen Raum aufzuhalten. Diese lebensnotwendige Verdrängung ist kurzzeitig unmöglich, wenn man sich mit dem Mord an Sophia beschäftigt. Man ist plötzlich auf die eigene Verletzbarkeit und ständige Bedrohung/Brüchigkeit zurückgeworfen und wird sich der eigenen beschädigenden Verletzlichkeit bewusst. In diesem Moment entsteht ein Zwang zur Reflexion auf die Instabilität der eigenen Identität. Jedoch wird nicht nur das eigene Bild von sich, beispielsweise als unabhängige, starke Frau, hinterfragt. Zugleich wird die schlichte alltägliche Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit ins Bewusstsein gehoben – und wir wären nicht weiblich sozialisiert, würden wir diese Leistung nicht auch für alle anderen Menschen um uns in Form von Sorgeleistungen erbringen.

Für uns soll der Fall Sophia ein Anlass sein, auf diese Anstrengung hinzuweisen, die wir Frauen tagtäglich unternehmen müssen. Wir sind es leid, uns tagtäglich einzureden zu müssen, dass wir unverwundbar seien.

Ändert die Umstände, die dies erzwingen!

Ein Text der Gruppe »the future is unwritten« – Leipzig, Januar 2019

Linke Organisierung und Emanzipation

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe “Nationalismus ist keine Alternative” laden wir euch herzlich zu einer Vortragsveranstaltung mit Julian Bierwirth zu linker Organisierung und Emanzipation ein. Die Veranstaltung wird am Dienstag, dem 22. Januar, um 19 Uhr im Atari (Kippenbergstraße 20, Leipzig) stattfinden. Wir freuen uns auf eure Teilnahme!

Linker Aktivismus richtet sich zu allererst auf Emanzipation: auf die Befreiung von Verhältnissen, in denen Menschen unterdrückt werden. Dabei sollte Befreiung jedoch nicht mit der Herauslösung der Menschen aus ihren Verhältnissen verwechselt werden. Denn gerade ihre Vereinzelung stellt einen wesentlichen Charakterzug der kapitalistischen Moderne dar.

Als Gegenentwurf zu dieser Vereinzelung galt der Linken schon immer die solidarische Organisierung. Bei dieser Veranstaltung wollen wir daher schauen, warum es für linke Politik unabdingbar ist, warum ihre Protagonst*innen sich in Gruppen organisieren, welche Herausforderungen diese Organisierung mit sich bringt und wie wir ihnen begegnen können.

Zur Kritik des ostdeutschen Bewusstseins

Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe “Nationalismus ist keine Alternative” laden wir euch herzlich zu einer Diskussionsveranstaltung mit Heike Kleffner und uns zur Kritik des ostdeutschen Bewusstseins ein. Die Veranstaltung wird am Dienstag, dem 4. Dezember, um 19 Uhr im Ostpassage Theater (Eisenbahnstraße 74, Leipzig) stattfinden. Wir freuen uns auf eure Teilnahme!

Dass der Rechtsruck in Ostdeutschland konkrete Folgen hat, zeigte sich zuletzt in Köthen und Chemnitz bei den sogenannten „Trauermärschen“. Bei diesen wurden offen nationalsozialistische Reden gehalten und es kam zu Angriffen auf Personen, die nicht in das Bild des Mobs passten.

Doch bereits seit Jahren ist eine Kontinuität der rechten Ideologien in Ostdeutschland erkennbar. Zwar sind diese auch im Westen kein gesellschaftliches Randphänomen, jedoch kommt es hier im Osten erschreckend häufig zu öffentlichen Schulterschlüssen von Rechtsradikalen bis Bürgerlich-Konservativen. Menschenverachtende Hetzreden und gewaltsame Ausschreitungen auf Demos sind alles andere als eine Seltenheit und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und rassistische Übergriffe häufen sich in ganz Ostdeutschland, vor allem in Sachsen.Hinzu kommt die mangelnde Aufarbeitung rechter Gewalt und politischer Organisierung – von Polizei, Justiz und Verfassungsschutz offenbar nicht gewollt.

Die Veranstaltung soll untersuchen, warum in Ostdeutschland rechte Ideologien so offen zur Schau gestellt und weitergetragen werden können – ob Rassismus und Nationalismus hier nur zufällig verbreiteter sind als im Westen, oder ob diese Verbreitung strukturell andere Ursachen hat. Ist der Osten nur der Anfang und ziehen die westdeutschen Verhältnisse bald nach? Haben wir es hier wirklich mit einem Rechtsruck zu tun und inwiefern lassen sich historische Kontinuitäten erkennen? Welche Rolle spielen dabei die „bürgerliche Mitte“ Ostdeutschlands, 25 Jahre sächsische CDU-Regierung oder Neonazistrukturen aus den 1990ern?

Kurzum: gibt es so etwas wie ein ostdeutsches Bewusstsein und wenn ja, was können wir dagegen tun?

Ein*e Referent*in der Gruppe the future is unwritten wird diese und ähnliche Fragen zusammen mit Heike Kleffner diskutieren. Kleffner beschäftigt sich seit den 1990ern als Journalistin mit der rechten Szene, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linksfraktion zum Thema NSU und ist Herausgeberin zweier Sammelbände über rechte Strukturen in Ostdeutschland. Die Veranstaltung wird durch die Rosa Luxemburg Stiftung gefördert. Diese Steuermittel werden auf Grundlage von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes zur Verfügung gestellt.

Veranstaltungsreihe – Nationalismus ist keine Alternative

Veranstaltungsreihe Nationalismus ist keine Alternative der Gruppe the future is unwritten

Von Oktober 2018 bis September 2019

Im September 2019 findet in Sachsen die Landtagswahl statt. Ein hohes Wahlergebnis der AfD ist sehr wahrscheinlich, eine Regierungsbeteiligung möglich. Weiterlesen

Hier findet kein angemessenes Gedenken statt!

Folgende Rede hielten wir beim Stadtteilspaziergang des Ladenschlussbündnisses am 8. August in Leipzig-Schönefeld.

Liebe Genoss*innen,

Die Auseinandersetzung mit dem Gedenken an der Kamenzer Straße markiert für uns als Gruppe ein wichtiges Spannungsfeld.
Ein paar Straßen weiter (genau hier, wo wir stehen) stand das größte Frauenaußenlager Buchenwalds. Frauen unterschiedlicher Nationalitäten, unter Anderem Jüdinnen, wurden hier zur Rüstungsproduktion für die nationalsozialistische Verbrechens- und Eroberungspolitik gezwungen. Von hier aus gingen auch Todesmärsche ab, wo es bis heute nicht klar ist, wie viele Menschen dabei ums Leben kamen.

Es ist nicht unüblich, dass Orte des nationalsozialistischen Verbrechens in Vergessenheit geraten sind. Seit Jahrzehnten kämpfen die Überlebenden des NS-Terrors für ein angemessenes Gedenken. Sie waren in ihren Kämpfen oft erfolgreich. Die Gedenkstättenlandschaft hat sich verändert in Deutschland. Es wurden auch im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Opfergruppen als diese anerkannt. Weiterlesen

Antifaschistischer Stadtteilspaziergang erfolgreich!

Das Ladenschlussbündnis berichtet vom erfolgreichen Stadtteilspaziergang gegen die Nutzung des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers in der Kamenzer Straße 10/12 durch Nazi-Strukturen. Wir hatten die Mobilisierung zu dem Spaziergang unterstützt und einen eigenen Redebeitrag zur Gedenkpolitik rund um die Kamenzer Straße beigetragen.

70 Antifaschist_innen haben sich gestern im Rabet an der Eisenbahnstraße zu einem antifaschistischen Stadtteilspaziergang durch Leipzig-Schönefeld getroffen. Ziel war die Kamenzer Straße 10/12, das Gelände auf dem sich unter der NS-Herrschaft ein Frauen-Außenlager des KZ-Buchenwand befand. Mittlerweile wird es von der Neonazi-Kampsportgruppe „Imperium Fight Team“ als Trainingsort genutzt und auch andere rechte, reaktionäre und patriarchale Strukturen nutzen die Kamenzer Straße 10/12 als Treffpunkt.

Der Spaziergang sollte im Stadtteil für die Problematik sensibilisieren und so verteilten wir Flugblätter, führten Gespräche mit Passant_innen und brachten politische Forderungen mit Sprühkreide an. An einigen Zwischenstationen hielten Teilnehmer_innen kurze Reden über ein Megafon. Am Stannebeinplatz wurde ein historischer Redebeitrag zu Zwangsarbeit in Leipzig vorgetragen, bei einer weiteren Zwischenstation ging es um vergangene Auseinandersetzungen mit Rassist_innen im Leipziger Osten. Beim Abschluss an der Kamenzer Straße wurde eine Rede zur gedenkpolitischen Situation um das Gelände gehalten. Am Ende trugen wir als Ladenschlussbündnis noch einmal unsere politischen Kernforderungen vor, die wir in den nächsten Tagen noch einmal veröffentlichen werden.

Vielen Dank an alle, die gestern mit dabei waren! Wir bleiben gemeinsam dran und lassen nicht locker, bis die reaktionären Männer-Banden und Nazi-Schläger die Kamenzer Straße verlassen! Nehmen das Gedenken an den NS selbst in die Hand und ziehen die richtigen Konsequenzen!

Stadtteilspaziergang in Leipzig-Schönefeld

Das Leipziger Ladenschlussbündnis lädt zu einem antifaschistischen Stadtteilspaziergang und vorherigem Basteltag im Leipziger Osten ein. Wir schließen uns diesem Aufruf an!

Mittwoch, 8.August 2018 – 17 Uhr – Rabet

Wir, das Leipziger Ladenschlussbündnis, haben uns zum Ziel gesetzt, Neonazistrukturen und rechte Netzwerke in Leipzig zu bekämpfen. Im Fokus steht ein Häuserkomplex in der Kamenzer Str. 10/12 in Leipzig-Schönefeld.

An diesem Ort befand sich von Juni 1944 bis April 1945 das größte Frauenaußenlager des KZ Buchenwald. Die dort ca. 5000 inhaftierten Frauen und Mädchen mussten schwerste Zwangsarbeit für einen Leipziger Rüstungskonzern leisten. Erschöpfung, Hunger, Krankheiten und Gewalt bestimmten den Lageralltag, mehrere hunderte Menschen fielen diesem Verbrechen zum Opfer.

Die Geschichte des Ortes und das Schicksal der Häftlinge ist heute weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Seit 2009 erinnert vor Ort eine kleine Gedenktafel an die dort begangenen Verbrechen, im städtischen Gedenken spielt der Ort und seine Geschichte jedoch keine Rolle. Stattdessen können Neonazis dort seit einigen Jahren weitgehend ungestört ihr Unwesen treiben. So wurden dort bereits seit 2008 regelmäßig Nazikonzerte veranstaltet. Seit 2017 ist die Kamenzer Straße 10/12 Trainingsort des „Imperium Fight Teams“, einem Kampfsport-Gym, das sich aus den Hooligan-Strukturen des 1. FC Lok Leipzig und Neonazis aus der Region rekrutiert.

Das Ladenschlussbündnis hat sich zum Ziel gesetzt, diese Zustände in der Kamenzer Straße nicht länger hinzunehmen und entschlossen und aktiv dagegen vorzugehen. Daher laden wir alle Antifaschist_innen und Leipziger_innen zu einem gemeinsamen Spaziergang am 8. August 2018 durch den Leipziger Nordosten ein.

Gemeinsam mit Euch wollen wir verschiedene historisch bedeutsame Stationen im Stadtteil ablaufen und die Öffentlichkeit und Anwohner_innen über die Aktivitäten der Neonazis in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft informieren. Lasst uns gemeinsam gegen die Nazis und ihr Treiben in der Kamenzer Straße vorgehen und uns für ein würdiges Gedenken an die Opfer des ehemaligen KZ-Außenlagers einsetzen!

Mi, 8.August 2018 – 17 Uhr

Treffpunkt: Rabet (am Aldi)
Endpunkt: Kamenzer Straße 10/12

Zur Vorbereitung des Antifaschistischen Stadtteilspaziergangs laden wir zu einem Bastelnachmittag ein. Kommt vorbei, informiert euch und gestaltet Transparente, Schilder und Anderes mit.

28. Juli 2018 – Ab 15 Uhr – Ort: E150 (ask your local network / Leipzig East)

Zwei Vorträge nächste Woche: Parlamentarismuskritik und neue Rechte

In der kommenden Woche laden wir euch herzlich zu zwei Veranstaltungen ein.

Echte Demokratie jetzt!? Kritiken des Parlamentarismus – ein Vergleich

ein Vortrag von the future is unwritten Leipzig

Wir wollen einen kritischen Blick auf die politischen Repräsentationsformen im Kapitalismus und auf ihre Kritiken werfen. Dazu werden wir verschiedene Parlamentarismuskritiken vorstellen, die Chancen und Gefahren einer Parlamentarismuskritik von links diskutieren und versuchen herauszustellen, was eine emanzipatorische linke Kritik des Parlamentarismus von reaktionären Kritiken unterscheiden würde.

19. JUNI / 19 UHR / UNI LEIPZIG: NEUES SEMINARGEBÄUDE (NSG) RAUM 228

»Neue Rechte« Entstehung, Ideologie und Gegenstrategien

ein Vortrag von TOP B3RLIN

In Halle gibt es ein Hausprojekt der Identitäten Bewegung. Die
Auflagenzahlen ihrer Publikationen sind in den letzten Jahren
stark in die Höhe gestiegen. Durch die Wahlerfolge der AfD
ist sie inzwischen parlamentarisch vertreten und ihre Finanzierung
in den nächsten Jahren gesichert. Seit geraumer Zeit
geben sich Journalist*innen bei Götz Kubitschek in Schnellroda
die Klinke in die Hand und auf den Buchmesse ist sie längst
akzeptierte Gesprächspartnerin.

Aber wer oder was ist die sogenannte „neue Rechte“? Was will
sie? Was unterscheidet sie von klassischen Neonazis und worin
bestehen Gemeinsamkeiten?
Der Vortrag gibt einen Einstieg in die Entstehung und aktuelle
Verfassung des reaktionären Spektrums zwischen Unionsparteien
und NPD. Neben den ideologischen Grundpfeilern,
werden die relevanten Personen und Strategien vorgestellt und
nach angemessenen antifaschistischen Antworten gesucht.

22. JUNI / 19 UHR / OST-PASSAGE THEATER
KONRADSTR. 27 (ÜBER ALDI) 04315 LEIPZIG

Krisis – Film und Kneipe

Zusammen mit der Gruppe polar aus Dresden laden wir herzlich zu diesem Film- und Kneipenabend ein.

Krisis“ – ein Dokumentarfilm über eine solidarische Klinik in Piräus (99 min., griech., dt. Untertitel)

8. Juni, 19 Uhr, Zollschuppenstr. 1

Eintritt frei

Im Anschluss findet ein Filmgespräch mit dem Regisseur Wolfgang Reinke statt. Danach können wir den Freitag Abend in netter Kneipenatmosphäre genießen.

Jede Krise birgt die Chance zur radikalen Veränderung! Ein Blick aus deutscher Sicht auf die Geschehnisse in Griechenland zwischen Januar 2015 und September 2016. Im antiken Griechenland diente das Wort „Krise“ nicht nur um instabile Zustände zu beschreiben, sondern umfasste auch das Aufbrechen etablierter Verhältnisse.
 Bedingungslose Solidarität und menschliche Güte sind die Waffen mit denen sich drei Griechen und Griechinnen der schier endlosen sozialen und politischen Katastrophe entgegenstellen. Enttäuscht von den aktuellen politischen Entwicklungen, sehen die drei nur eine Handlungsalternative: soziales Engagement.
 Sie arbeiten Tag und Nacht bis zur Erschöpfung, um ihren Traum einer besseren Welt Wirklichkeit werden zu lassen. Mit Hinblick auf den politischen Rechtsruck in Europa erzählt der Film von einem Zusammenleben jenseits von geografischen oder sozialen Wurzeln. 
Der Crowdfunding-Film feierte seine Premiere im März 2018 in Athen.

(Unterstützt durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Trailer des Films:

Räte statt Rackets! Reaktionäre Männer-Banden zerschlagen!

Folgende Rede hielten wir am 8. Mai 2018 auf der Kundgebung des Ladenschlussbündnisses gegen den Trainingsort der Neonazis vom Imperium Fight Team im ehemaligen KZ-Außenlager in der Kamenzer Straße 10/12.

Liebe Anwohner_innen, liebe Antifaschist_innen,

in den Aufrufen, Reden und Informationsveranstaltungen des Ladenschlussbündnisses ist es bereits mehr als deutlich geworden: Leipzig hat ein Problem mit reaktionären Bandenstrukturen. Das Imperium Fight Team um den politisch einschlägigen Nazi-Hooligan Benjamin Brinsa, das hier ein ehemaliges KZ-Außenlager als Kampfsport-Trainingsort nutzt, ist dabei die Spitze des Eisbergs. Hier ansässig sind auch Rocker-Strukturen. Das Imperium Fight Team hat Überschneidungen mit der Hooligan-Szene von Lok Leipzig. Auch ins Rotlicht-Milieu erstrecken sich die rechten Netzwerke in Leipzig. Wenn wir über reaktionäre Bandenstrukturen reden, reden wir nicht über einfache Neonazi-Kameradschaften. Wir reden über Strukturen, die sich weit in den so genannten vorpolitischen Raum erstrecken und die eines gemeinsam haben: es sind Strukturen in denen Männer auf Basis persönlicher, informeller Kontakte und Seilschaften geschäftliche, sportliche, kulturelle und politische Aktivitäten betreiben. Derartige Männer-Banden gibt es nicht nur im neonazistischen Umfeld: sie sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig und eins haben sie immer gemeinsam: die Zusammenrottung von Männern, die sich als gewaltbereite Verteidiger ihrer Gemeinschaft in Szene setzen. Frauen kommen bei diesen Inszenierungen selten vor, oder werden in den Hintergrund gedrängt, selbst wenn ihre Tätigkeiten faktisch eine wichtige Rolle spielen.

Und diese Art von Männer-Banden kritisieren wir auch dann, wenn sie keine rechte politische Ausrichtung haben. Weil sie Ausdruck patriarchaler Strukturen sind, Zugang zu Macht an Geschlechtszugehörigkeit, Gewalt entweder als Selbstzweck oder zu Durchsetzung ihrer Eigeninteressen nutzen und persönliches Wohlwollen koppeln und in aller Regel ein ultra-sexistisches Weltbild teilen und verbreiten.

Wir wollen diese Rede nutzen, um einen kurzen Blick auf die Gründe zu werfen, die zur Entstehung solcher Strukturen führen. Kapitalismus und Patriarchat spielen dabei in fataler Weise mit autoritären Charakterstrukturen zusammen. Wir werden nacheinander auf die genannten Ursachen eingehen und deren Zusammenhang zum Phänomen der reaktionären Männer-Banden darstellen. Weiterlesen